Frag den Bewerbungscoach: Häufige Fragen

Martin Wehrle lässt keine Frage offen!


  • „Deutschlands bekanntester Karriereberater“ (Focus)
  • Antworten auf Ihre Fragen
  • Optimal vorbereiten

Martin Wehrle, „Deutschlands bekanntester Karriereberater“ (Focus), antwortet auf die wichtigsten Fragen zu Vorstellungsgesprächen. Hier erfahren Sie, welche Spielregeln gelten, wie Sie sich optimal vorbereiten und wodurch Sie andere Bewerber überflügeln.

Martin Wehrle antwortet:

Am häufigsten sind folgende zehn Fragen im Vorstellungsgespräch bzw. Bewerbungsgespräch:

Frage 1: Warum haben Sie sich bei uns beworben?
Frage 2: Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?
Frage 3: Warum sollten wir Sie einstellen?
Frage 4: Was sind Ihre größten Stärken und Schwächen?
Frage 5: Was waren die größten Erfolge Ihres Lebens?
Frage 6: Was war der größte Fehler Ihres Lebens?
Frage 7: In welchen Bereichen Ihrer Arbeit wollen Sie sich weiterentwickeln?
Frage 8: Was könnte Ihr Chef nach Meinung Ihrer Kollegen besser machen?
Frage 9: Haben Sie sich auch bei anderen Firmen beworben?
Frage 10: Wo lag Ihr letztes Gehalt, und was stellen Sie sich bei uns vor?

Mein Video-Tipp: „Vorstellungsgespräch, Fragen und Antworten: Die 10 häufigsten Fragen – perfekt antworten“

Martin Wehrle antwortet:

Erstens: Weil man bei der Frage nach den Schwächen im Bewerbungsgespräch sehen will: Sind Sie gut vorbereitet? Gelingt Ihnen eine diplomatische Antwort? Niemand erwartet, dass Sie Ihre größten Schwächen im Vorstellungsgespräch auf den Tisch legen. Vielmehr sollen Sie rhetorisches Geschick beweisen – und dabei glaubwürdig bleiben.

Zweitens: Die Frage nach den Stärken prüft im Vorstellungsgespräch, ob Sie reflektiert sind: Kennen Sie Ihre Stärken überhaupt? Und passen diese Stärken zur ausgeschriebenen Position? Eine exotische Fremdsprache bringt nichts, wenn eine Firma nur national agiert.

Mein Video-Tipp: „Vorstellungsgespräch, Stärken und Schwächen: Welche Schwächen haben Sie? Welche Stärken haben Sie?“

Martin Wehrle antwortet:

Hier fünf Vorschläge für Schwächen, die Sie im Vorstellungsgespräch bzw. Bewerbungsgespräch ohne Risiko nennen können:

Schwäche 1 für Vorstellungsgespräch: Nennen Sie einen Trend in Ihrer Branche, der noch keine Relevanz hat: „Mit diesem Thema kenne ich mich noch nicht aus, obwohl ich es für wichtig halte.“ Damit beweisen Sie einen hohen Selbstanspruch – und deuten an, dass Sie sich bald kundig machen. Perfekt fürs Vorstellungsgespräch.

Schwäche 2 für Vorstellungsgespräch: Nennen Sie eine Schwäche, die weit in der Vergangenheit liegt, zum Beispiel: „Ich war als Berufseinsteiger etwas undiplomatisch.“ Und dann zeigen Sie im Vorstellungsgespräch auf, wie Sie diese Schwäche behoben und Diplomatie entwickelt haben. So wird deutlich: Sie tun etwas gegen Ihre Schwächen und sind entwicklungsfähig. Das beeindruckt im Bewerbungsgespräch.

Schwäche 3 für Vorstellungsgespräch: Nennen Sie eine Schwäche, die für die ausgeschriebene Position ohne Bedeutung ist „Mein Französisch war früher besser.“ Das mindert Ihre Chancen in einem national agierenden Unternehmen nicht – zumal Sie aufzeigen: Sie frischen Ihre Sprachkenntnis jetzt auf. Das zeugt im Bewerbungsgespräch von Selbstanspruch und Eigeninitiative.

Schwäche 4 für Vorstellungsgespräch: Nennen Sie eine augenzwinkernde Schwäche, zum Beispiel stellen Sie sich in München vor und sagen: „Meine größte Schwäche an Ihrem Standort wird sein: Ich bin Fan von Borussia Dortmund.“ Eine solche Antwort beweist im Bewerbungsgespräch Diplomatie und rhetorisches Geschick.

Schwäche 5 für Vorstellungsgespräch: Nennen Sie ein Randgebiet Ihres Fachs, für das Sie gar nicht so richtig zuständig sind. Zum Beispiel sagen Sie als Handwerker: „Ich bin in dem EDV-System für die Rechnungserstellung nicht so richtig gut. Aber das läuft ja auch übers Büro, insofern beeinträchtigt es meine Arbeit nicht.“ Gute Karten fürs Vorstellungsgespräch!

Mein Video-Tipp: „Vorstellungsgespräch: Fünf Schwächen, die Sie stärken“ 

Martin Wehrle antwortet:

Folgende fünf Schwächen verschweigen Sie besser im Vorstellungsgespräch:
Schwäche 1 für Vorstellungsgespräch: „Ich bin nicht besonders ordentlich.“ Wer solche Banalitäten betont, hat sonst offenbar nichts zu bieten.

Schwäche 2 für Vorstellungsgespräch: „Ich bin ungeduldig.“ Diese Schwäche steht in jedem Bewerbungsratgeber, Personalverantwortliche können sie nicht mehr hören. Außerdem erfordern alle größeren Arbeiten das exakte Gegenteil: Geduld!

Schwäche 3 für Vorstellungsgespräch: „Ich brauche manchmal etwas länger.“ Die Firma hofft, dass Sie schnell die offene Stelle ausfüllen. Lange Einarbeitungen und große zeitliche Spielräume sind meist nicht vorgesehen.

Schwäche 4 für Vorstellungsgespräch: „Ich bin manchmal undiplomatisch.“ Das klingt nach einem Krawallmacher, der Unfrieden stiftet. Als Mitarbeiter müssen Sie oft diplomatisch sein, etwa wenn Ihnen eine Entscheidung Ihres Chefs nicht schmeckt.

Schwäche 5 für Vorstellungsgespräch: „Ich rede in Gruppen eher wenig.“ Leider werden Sie nicht nur fürs Tun, sondern auch fürs Reden bewertet. Man erwartet von Ihnen, dass Sie in Gruppen Ihre Meinung sagen. Gerade auch als Neue(r).

Mein Video-Tipp: „Vorstellungsgespräch Schwächen. Diese fünf Schwächen nie verraten“

Martin Wehrle antwortet:

Zu Beginn des Vorstellungsgespräches bzw. Bewerbungsgespräches werden Sie eingeladen: „Erzählen Sie mal etwas über sich!“ Heimlich gemeint ist: „Erklären Sie uns, warum Sie perfekt zur ausgeschriebenen Position passen.“ Diese Selbstpräsentation ist für Sie aus drei Gründen extrem wichtig:

Erstens haben Sie jetzt die Chance, einen positiven Eindruck zu hinterlassen, der das ganze weitere Gespräch beeinflusst. Die heimliche Entscheidung für oder gegen einen Bewerber fällt im Vorstellungsgespräch schon nach wenigen Minuten.

Zweitens ist die Selbstpräsentation die berechenbarste Passage im Vorstellungsgespräch: Diese Einladung kommt immer. Und Sie können Ihre Ausführungen zu Hause in aller Ruhe vorbereiten und trainieren. Ein kostenloser Werbespot in eigener Sache!

Drittens sind die meisten Selbstpräsentationen im Vorstellungsgespräch nur langweilige Hörbuch-Fassungen des Lebenslaufes: Sie haben die Chance, sich positiv abzuheben – indem Sie die heimliche Frage beantworten, warum Sie perfekt zur ausgeschriebenen Stelle passen. 

Mein Video-Tipp: „Vorstellungsgespräch Selbstpräsentation – Beispiele, Tipps, perfekte Antworten“

Martin Wehrle antwortet:

Schlechte Antwort im Vorstellungsgespräch: „Sie sind seit vielen Jahren in der Lebensmittelbranche aktiv, betreiben Filialen im ganzen deutschsprachigen Raum und machen damit erhebliche Umsätze.“

Analyse fürs Bewerbungsgespräch: Man will herausfinden, ob Sie sich gut auf wichtige Termine vorbereiten. Bleiben Sie nicht in Allgemeinplätzen hängen – werden Sie konkret. Zeigen Sie, dass Sie Zahlen kennen und mehrere Quellen genutzt haben, vor allem auch Mitarbeiter des Unternehmens. Knüpfen Sie vorher Kontakte, z.B. über soziale Medien.

Gute Antwort im Vorstellungsgespräch: „Ihr Unternehmen wurde im Jahr 1947 von Karl Obers in Bochum gegründet. Seine Geschäftsidee war folgende (…) Drei Jahre später gab es die ersten Filialen, und zwar in (…). Der Umsatz hat sich von 2,4 Millionen im Jahr 1951 auf 3,4 Milliarden im letzten Jahr entwickelt. Heute folgt Ihr Unternehmen folgender Philosophie (…) In den letzten Jahren haben Sie Ihre Stellung am Markt ausgebaut durch (…) Darüber gab es zum Beispiel einen Medienbericht in (…). Und hausintern ist für Sie gerade ein großes Thema, dass (…).“

Mein Video-Tipp: „Vorstellungsgespräch: Was wissen Sie über unser Unternehmen?“ 

Martin Wehrle antwortet:

Fünf Fehler von Bewerbern fallen mir immer wieder in Vorstellungsgesprächen bzw. Bewerbungsgesprächen auf:

Fehler 1: Die Kleidung wird zu leger fürs Vorstellungsgespräch gewählt!
Tipp: Zu fein schadet selten – zu formlos schadet oft. Kleiden Sie sich für Ihr Vorstellungsgespräch wie für einen wichtigen Termin im neuen Job.

Fehler 2: Die Selbstpräsentation im Bewerbungsgespräch beginnt bei Adam und Eva.
Tipp: Lassen Sie Schul- und Studienzeiten weg – es sei denn, es gibt einen unmittelbaren Bezug zur neuen Aufgabe. Oder Sie sind noch sehr jung.

Fehler 3: Als Wechselmotiv wird im Vorstellungsgespräch genannt: Flucht!
Tipp: Sagen Sie nie, warum Sie die alte Firma verlassen („Keine Entwicklungsmöglichkeiten“) – betonen Sie immer, was Sie an der neuen Firma reizt.

Fehler 4: Die Beispiele für Kompetenzen fehlen im Vorstellungsgespräch.
Tipp: Wenn Sie behaupten, dass Sie „flexibel“ sind, ist das inhaltlich eine Nullnummer. Wann genau waren Sie flexibel? Geben Sie Beispiele für alle Ihre wichtigen Kompetenzen!

Fehler 5: Keine klugen eigenen Fragen am Ende des Vorstellungsgesprächs.
Tipp: Wer am Ende des Gespräches kluge Fragen stellt, hebt sich von den meisten Bewerbern ab. Bereiten Sie mindestens drei eigene Fragen mit Pfiff vor, siehe mein Video.

Mein Video-Tipp: „Vorstellungsgespräch: Die 7 gefährlichsten Fallen“

Martin Wehrle antwortet:

Erstens will die Firma sich im Vorstellungsgespräch bzw. Bewerbungsgespräch einen persönlichen Eindruck von Ihnen verschaffen. Was sind Sie für ein Typ? Passen Sie ins Team? Stimmt die Chemie zwischen Ihnen und Ihrem künftigen Vorgesetzten? Hier geht es um Beziehungs-Aspekte.

Zweitens soll das Vorstellungsgespräch klären, ob die Angaben aus Ihren Bewerbungsunterlagen richtig sind. Der Personaler wird mögliche Unstimmigkeiten ansprechen, zum Beispiel Lücken im Lebenslauf oder  Formulierungen in Zeugnissen.

Drittens werden Bewerbungsgespräche oft direkt nacheinander geführt. Allen Bewerbern werden im Kern die gleichen Fragen gestellt. Dieses Vorgehen erlaubt es, Sie direkt mit anderen Bewerbern zu vergleichen – durch den persönlichen Eindruck.

Mein Video-Tipp: „Die 7 Geheimnisse des Vorstellungsgespräches“

Martin Wehrle antwortet:

In der Regel haben Sie es beim Vorstellungsgespräch mit zwei Menschen zu tun: einem Personaler und einem Fachchef. Der Personaler klopft vor allem Ihren Lebenslauf ab und prüft Ihre soziale Kompetenz. Der Fachvorgesetzte ist mehr an Ihrem Fachwissen und Ihrer Erfahrung interessiert – und daran, ob Sie in sein Team passen.

Normalerweise dauern Vorstellungsgespräche 45 bis 60 Minuten. Bei Führungskräften kann es die doppelte Zeit sein. Tendenziell gilt: Je länger Ihr Gespräch dauert, desto besser liegen Sie im Rennen. Vorstellungsgespräche mit Kandidaten, die nicht in Frage kommen, werden meist abgekürzt.

Mein Video-Tipp: „Geheimsprache im Vorstellungsgespräch: 7 verdeckte Fragen und perfekte Antworten“

Martin Wehrle antwortet:

Schlechte Antwort im Vorstellungsgespräch: „Viele sagen ihm nach, dass er zu schnell aus der Haut fährt. Er sollte ruhiger und ausgeglichener werden.“

Analyse fürs Bewerbungsgespräch: Die Frage will Ihre Loyalität testen, denn heimlich geht es um Ihre eigene Sicht. Sagen Sie Ihrem Chef also nichts Schlechtes nach. Betonen Sie, dass Sie nicht über Ihren Chef sprechen, sondern mit ihm. Und geben Sie ein Beispiel dafür, wie er Ihren Rat angenommen hat. Das unterstreicht Ihr Ansehen und Ihre Autorität.

Gute Antwort im Vorstellungsgespräch: „Für die Kollegen kann ich nicht sprechen. Ich für meinen Teil gebe ihm eine direkte Rückmeldung, wenn ich Verbesserungsvorschläge habe. Neulich hatte er zum Beispiel einen Liefertermin zusagen wollen, den ich für unrealistisch hielt. Ich habe ihm meine Sicht erläutert. Er war dankbar dafür und hat den Termin dann auch angepasst.“

Mein Video-Tipp: „Vorstellungsgespräch: Die 7 gefährlichsten Fallen“ 

Martin Wehrle antwortet:

Erstens: Kleiden Sie sich deutlich besser für Vorstellungsgespräch als im Alltag – so, wie Sie es täten, wenn Sie einen wichtigen Termin für Ihren Arbeitgeber wahrnehmen müssten. Damit drücken Sie im Bewerbungsgespräch Respekt vor Ihren Gesprächspartnern aus und beweisen, dass Sie repräsentieren können.

Zweitens: Achten Sie darauf, dass Ihre Kleidung unaufdringlich ist. Als Mann liegen Sie mit einem Anzug in gedeckter Farbe richtig (schwarz, grau, dunkelblau). Dazu tragen Sie ein Hemd und im Zweifel eine Krawatte (falls bei wichtigen Terminen in Ihrem Beruf üblich). Als Handwerker oder für gewerbliche Berufe können Sie sich etwas formloser kleiden, zum Beispiel mit Hemd und Pulli. Wählen Sie besser eine Stoffhose als eine Jeans.

Als Frau haben Sie fürs Vorstellungsgespräch größere Auswahl, vom Hosenanzug über das Kleid bis zum Kostüm. Wählen Sie die Farben nicht zu grell. Seien Sie sparsam mit dem Make-up und achten Sie darauf, dass die Kleidung nicht zu körperbetont ist (eng, tiefer Ausschnitt usw.). Vermeiden Sie Schuhe mit sehr hohen Absätzen oder solche, in denen Ihre Zehen offen zu sehen sind.

Drittens: Achten Sie im Vorstellungsgespräch auf Details Ihrer Kleidung. Bei Männern schauen die Personaler gern auf den Zustand der Schuhe: Sind sie hochwertig? Neuwertig? Gut geputzt? Bei Frauen kann die Wahrnehmung zum Beispiel auf die Handtasche fallen. Achten Sie auf eine Produktqualität, die Ihrem Image und Ihrer angestrebten Position entspricht.

Mein Video-Tipp: „Vorstellungsgespräch Kleidung: 7 Outfit-Tipps“

Martin Wehrle antwortet:

Erstens: Ich finde es gut, wenn Sie etwa 20 Minuten vor Ihrem Vorstellungsgespräch vor Ort sind. Dann können Sie in der Nähe noch spazieren gehen, sich sammeln und innere Ruhe finden. Viel besser, als wenn Sie in letzter Minute ins Vorstellungsgespräch hetzen.

Zweitens: Vorsicht, Falle: Melden Sie sich keinesfalls schon 10 oder 15 Minuten vor dem Vorstellungsgespräch am Empfang. Damit würden Sie die Pläne der Firma durcheinander wirbeln und den Bewerbern vor Ihnen begegnen – das ist unerwünscht, denn die Anonymität soll gewährleistet sein.

Drittens: Melden Sie sich in großen Firmen etwa fünf Minuten vor Ihrem Vorstellungsgespräch am Empfang – hier können die Wege lang sein. In kleinen Firmen reichen zwei bis drei Minuten aus. Dann werden Sie zum idealen Zeitpunkt ankommen.

Mein Video-Tipp: „Die 7 Geheimnisse des Vorstellungsgespräches“

Martin Wehrle antwortet:

Erstens: In der Regel liegen Sie im Bewerbungsgespräch gut mit Antworten zwischen 30 bis 90 Sekunden. Sorgen Sie jedoch für Abwechslung in der Länge. Zwei lange Antworten nacheinander können langatmig, zwei kurze nacheinander flach und kurzatmig wirken.

Zweitens: Untermauern Sie Ihre Aussagen im Vorstellungsgespräch mit Beispielen. Das verleiht Ihnen Glaubwürdigkeit. Und der Spannungsbogen trägt über 1 ½ Minuten.

Drittens: Fragen Sie im Bewerbungsgespräch zwischendurch mal nach: „Wollen Sie noch mehr zu diesem Thema hören? Oder reicht Ihnen das Gesagte?“ So bleiben Sie mit Ihren Gesprächspartnern in lebendigem Kontakt und bedienen ihre Bedürfnisse. 

Mein Video-Tipp: „Vorstellungsgespräch: Die 7 tödlichsten Ausrutscher“

Martin Wehrle antwortet:

Erstens: Nein, heimlich geht es um Ihre Zukunft: Werden Sie der offenen Position gewachsen sein? Zum Beispiel will man von Ihnen wissen: „Warum haben Sie die Firma X bereits nach zwei Jahren verlassen?” Heimlich gemeint ist: „Wie lange bleiben Sie unserer Firma treu? Was muss an Ihrem Arbeitsplatz passieren, damit Sie die Flinte ins Korn werfen?”

Zweitens: Zerstreuen Sie solche Bedenken mit Ihrer Antwort! Wenn Sie sagen, dass Sie nach gewisser Zeit Abwechslung brauchen, wird gehört: Sie laufen „nach einer gewissen Zeit” wieder davon, Ihre Einarbeitung lohnt nicht! Oder Sie sagen: „Damals hat mir an der Arbeit ein Element gefehlt, das mich an Ihrer Position besonders reizt, und zwar (…)“ Dann ist die Prognose positiv: Sicher bleiben Sie lange.

Drittens: Solche Interpretationen der Firmen sind übertrieben, aber das Prinzip ist nicht ganz verkehrt. Oder würden Sie die Chancen einer Ehe, wenn ein fünfmal Geschiedener heiratet, gleich hoch wie bei einem Erstversuch einschätzen?

Mein Video-Tipp: „Horror im Vorstellungsgespräch: Die 5 irresten Erlebnisse“

Martin Wehrle antwortet:

Erstens: Personaler schleichen sich gern durch die Hintertür an. Ein Vorstellungsgespräch ist keine harmlose Plauderei, es ist ein Wettkampf. Sie tun alles, um sich in ein günstiges Licht zu rücken. Ihr Gesprächspartner tut alles, Ihre Schattenseiten aufzuspüren.

Zweitens: Wenn Personaler Ihre Schwächen hören wollen, fragen sie: „In welchen Punkten können wir Ihre Entwicklung fördern?” Wollen sie hören, ob Sie Ihren letzten Chef für einen Idioten hielten, heißt es: „Wie haben eigentlich Ihre Kollegen über den Vorgesetzten gedacht?” (Eine projektive Frage, bei der Sie Ihre eigene Ansicht in fremde Münder legen sollen.)

Drittens: Rechnen Sie mit Stressfragen! Zum Beispiel will man von Ihnen wissen: „Welches Tier wären Sie gern?“ Dann ist es egal, ob Sie „Adler“, „Eule“ oder „Löwe“ sagen – es geht nur darum, dass Sie sich nicht aus der Ruhe bringen lassen. Oder Sie werden gefragt, welcher Ihrer bisherigen Vorgesetzten am meisten von Ihnen genervt war (natürlich keiner!). Bleiben Sie bei Stressfragen also möglichst cool. 

Mein Video-Tipp: „Geheimsprache im Vorstellungsgespräch: 7 verdeckte Fragen und perfekte Antworten“

Martin Wehrle antwortet:

Erstens: Das alte Gehalt kann beim Wechsel die Eisenkugel am Bein sein, denn mehr als 15 bis 25 Prozent plus sind auch im Bewerbungsgespräch selten drin. Kein Trost für denjenigen, der vorher 30 Prozent unter Marktwert lag. Übertreibungen sind nicht gestattet, sofern Sie eine Position anstreben, die mit Ihrer alten zu vergleichen ist. Wer bislang als Bankkauffrau am Schalter saß und sich nun für eine Schalter-Position bewirbt, muss auf Heller und Cent ehrlich sein.

Zweitens: Freier sind Sie beim Wechsel in ein neues Tätigkeitsfeld. Wenn die Bankkauffrau sich als Verkäuferin von Finanzprodukten bewirbt oder wenn sie eine Filiale leiten will, sind Tätigkeit und Gehalt nicht vergleichbar. Nun steht ihr das Recht zu, bei der Höhe des alten Gehaltes zu schwindeln. Das kann sinnvoll sein, weil eine schlechte Bezahlung sonst nicht nur die Gehaltschancen verdirbt, sondern auch peinliche Fragen aufwirft; aus Mini-Gehältern wird oft auf Mini-Leistungen geschlossen.

Drittens: Alternativer Trick: Verweisen Sie im Vorstellungsgespräch bei der Frage nach Ihrem Gehalt auf eine Schweigeklausel in Ihrem Vertrag – und nennen Sie einfach Ihr Wunschgehalt. So ziehen Sie sich elegant aus der Affäre – und zeigen auch noch Loyalität gegenüber Ihrer alten Firma.

Mein Video-Tipp: „Vorstellungsgespräch: Perfekte Gehaltsverhandlung – 7 Tipps“ 

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