Fragen und Antworten im Vorstellungsgespräch

Welche typischen Fragen erwarten Sie im Vorstellungsgespräch? Mit welchen Antworten können Sie wirklich punkten? Und wie bereiten Sie sich perfekt auf Ihren Auftritt im Bewerbungsgespräch vor?

Die meisten Bewerber begehen einen schweren Fehler: Sie plappern einfach die typischen Antworten der Bewerbungsratgeber nach. Tun Sie das nicht – antworten Sie pfiffiger und heben Sie sich positiv ab.

Karriereprofi Martin Wehrle verrät Ihnen, mit welchen Antworten Sie durchstarten.

Schlechte Antwort im Vorstellungsgespräch: „Sie sind als Arbeitgeber bekannt, der gute Sozialleistungen bietet und seine Mitarbeiter durch Fortbildungen fördert. Außerdem sah ich in meiner alten Firma kein Entwicklungspotenzial mehr.“

Analyse für Bewerbungsgespräch: Es geht darum, was Sie dem Unternehmen zu bieten haben – und ob Sie die Besonderheiten der Firma erkannt haben. Erzählen Sie nicht, welche Vorteile Sie sich versprechen (Sozialleistungen, Fortbildungen) – sondern benennen Sie, was Sie dem Unternehmen bringen und was es in Ihren Augen auszeichnet. Aber verschweigen Sie, was Sie aus der alten Firma treibt („kein Entwicklungspotenzial“).

Gute Antwort im Vorstellungsgespräch:Ich habe in Ihrer Ausschreibung sofort erkannt, wie gern ich Sie unterstützen würde. Denn die Position deckt sich mit meinen Stärken und Vorlieben. Sie fordern zum Beispiel Kenntnisse in (…) Und genau solche Erfahrungen kann ich Ihnen bieten, zum Beispiel durch (…). Außerdem finde ich Ihr Unternehmen attraktiver als mein jetziges, vor allem gefällt mir Ihre Strategie (…)“

Mein Video-Tipp: „Vorstellungsgespräch: Warum haben Sie sich bei uns beworben“

Schlechte Antwort im Vorstellungsgespräch: „Ich bin sehr engagiert, kann richtig zupacken und freue mich auf eine Herausforderung in Ihrer Branche.“

Analyse fürs Bewerbungsgespräch: Die Frage will herausfinden: Haben Sie erkennen, worauf es der Firma bei der Besetzung der Position ankommt? Antworten Sie nicht allgemein („bin sehr engagiert“), sondern speziell. Analysieren Sie, vor welchem Problem die Firma steht – und erklären Sie mit Beispielen aus Ihrer Vergangenheit, warum ausgerechnet Sie der Problemlöser sind. Betonen Sie, welche Ergebnisse Sie damals erzielt haben.

Gute Antwort im Vorstellungsgespräch: „Ich habe gesehen, worauf es Ihnen bei der Besetzung dieser Position angekommt. Sie stehen vor der Herausforderung, dass (…) In dieser Hinsicht biete ich Ihnen folgende Kenntnisse und Erfahrungen (…). Zum Beispiel stand ich vor einer ähnlichen Herausforderung in der Firma XY. Damals bin ich wie folgt vorgegangen (…) Der Erfolg am Ende war (…).“

Mein Video-Tipp: „Vorstellungsgespräch: Warum sollten wir gerade Sie einstellen“

Schlechte Antwort im Vorstellungsgespräch: „Ich bin bekannt für meine Ehrlichkeit und meine Zuverlässigkeit.“

Analyse fürs Bewerbungsgespräch: Die Frage prüft, ob Ihre Stärken zur ausgeschriebenen Position passen (unbedingt darauf achten!). Nennen Sie niemals Selbstverständlichkeiten („Ehrlichkeit“, „Zuverlässigkeit“), dann entsteht der Eindruck: Sie haben sonst nichts zu bieten. Stärken wirken besonders glaubwürdig, wenn Sie andere zitieren und Beispiele geben. Schildern Sie auch, wie Sie die Hinderniss überwunden haben.

Gute Antwort im Vorstellungsgespräch: „Mein letzter Chef hat zu mir gesagt: ‚Niemand schaukelt schwierige Projekte so sicher wie Sie.‘ Er hielt mich für ein großes Organisationstalent. Zum Beispiel stand ich vor der Herausforderung, nach einer Fusion zwei Kundendienste zusammenzuführen. Das war schwierig, weil (…). Ich bin wie folgt vorgegangen (…). Das Ergebnis war (…).“

Mein Video-Tipp: „Vorstellungsgespräch: Die 5 klügsten Stärken“

Schlechte Antwort im Vorstellungsgespräch: „Ich bin etwas ungeduldig. Wenn andere bei meinem Arbeitstempo nicht mitgehen, kann mich das stören.“

Analyse fürs Bewerbungsgespräch: Die Frage testet Ihr diplomatisches Geschick. Verzichten Sie auf fragwürdige Klischee-Antworten („ungeduldig“), denn ohne Geduld sind keine großen Arbeitsleistungen möglich. Nennen Sie eine Schwäche, die keinen Einfluss auf die ausgeschriebene Position hat (z.B. eine Fremdsprache, falls die Firma nur national agiert). Und zeigen Sie zugleich, dass Sie alles tun, um Ihre Schwächen zu korrigieren.

Gute Antwort im Vorstellungsgespräch: „Mein Französisch ist nicht mehr so gut wie früher. Mittlerweile fühle ich mich beim Sprechen unsicher, ebenso beim Schreiben. Deshalb habe ich mich gerade bei der Volkshochschule für einen Auffrischungskurs eingeschrieben.“

Mein Video-Tipp: „Vorstellungsgespräch: 5 Schwächen, die Sie stärken” 

Schlechte Antwort im Vorstellungsgespräch: „Ich kann mir gut vorstellen, dass ich bei Ihnen Karriere mache und eine gehobene Position bekleide, zum Beispiel eine Abteilungsleitung.“

Analyse fürs Bewerbungsgespräch: Man will herausfinden, ob Sie der ausgeschriebene Job wirklich reizt. Kündigen Sie niemals geplante Karrieresprünge an! Denn Sie werden eingestellt, um genau diese Position auszufüllen. Machen Sie deutlich: Der Job ist nicht nur ein Sprungbrett für Sie, sondern Erfüllung. Zeigen Sie auf, was Sie aus der Stelle und auch aus sich selbst machen werden.

Gute Antwort im Vorstellungsgespräch: „Mein Ziel ist es, in fünf Jahren die ausgeschriebene Position so gut wie möglich auszufüllen und sie weiterzuentwickeln, zum Beispiel kann ich mir folgende Schritte vorstellen (…). Mich reizt an der Aufgabe, dass ich (…) Ich glaube, diese Position ist wichtig für Ihr Unternehmen und bietet viel Spielraum für mein Wachstum.“

Mein Video-Tipp: „Vorstellungsgespräch: Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?“  

Schlechte Antwort im Vorstellungsgespräch: „Sie sind seit vielen Jahren in der Lebensmittelbranche aktiv, betreiben Filialen im ganzen deutschsprachigen Raum und machen damit erhebliche Umsätze.“

Analyse fürs Bewerbungsgespräch: Man will herausfinden, ob Sie sich gut auf wichtige Termine vorbereiten. Bleiben Sie nicht in Allgemeinplätzen hängen – werden Sie konkret. Zeigen Sie, dass Sie Zahlen kennen und mehrere Quellen genutzt haben, vor allem auch Mitarbeiter des Unternehmens. Knüpfen Sie vorher Kontakte, z.B. über soziale Medien.

Gute Antwort im Vorstellungsgespräch: „Ihr Unternehmen wurde im Jahr 1947 von Karl Obers in Bochum gegründet. Seine Geschäftsidee war folgende (…) Drei Jahre später gab es die ersten Filialen, und zwar in (…). Der Umsatz hat sich von 2,4 Millionen im Jahr 1951 auf 3,4 Milliarden im letzten Jahr entwickelt. Heute folgt Ihr Unternehmen folgender Philosophie (…) In den letzten Jahren haben Sie Ihre Stellung am Markt ausgebaut durch (…) Darüber gab es zum Beispiel einen Medienbericht in (…). Und hausintern ist für Sie gerade ein großes Thema, dass (…).“

Mein Video-Tipp: „Vorstellungsgespräch: Was wissen Sie über unser Unternehmen?“ 

Schlechte Antwort im Vorstellungsgespräch: „Mittlerweile würde ich vielleicht einen anderen Weg gehen, zum Beispiel mehr in die künstlerische Richtung. Doch ich stehe zu meiner Entscheidung.“

Analyse fürs Bewerbungsgespräch: Es geht darum, ob Sie gute Entscheidungen fällen und Ihren Beruf lieben. Wenn Sie jetzt Reue äußern, gelten Sie als schlechter Entscheider. Und das weckt die Furcht, dass Sie Ihre Zeit bis zur Rente nur absitzen wollen. Machen Sie besser klar, dass Sie Ihre Berufswahl für eine gute Entscheidung halten. So signalisieren Sie eine hohe Motivation – und dass Sie gute Entscheidungen fällen. Auch jetzt wieder.

Gute Antwort im Vorstellungsgespräch: „Ich gehe jeden Tag gern an meinen Arbeitsplatz. Und wenn ich mal drei Wochen Urlaub habe, freue ich mich am Ende schon wieder auf die Arbeit. Das zeigt mir: Ich habe bei der Berufswahl alles richtig gemacht und würde diesen Weg erneut einschlagen.“

Mein Video-Tipp: „Die 10 häufigsten Fragen im Vorstellungsgespräch“

Schlechte Antwort im Vorstellungsgespräch:Ich bin besonders stolz auf meine Marathonzeit. In Hamburg bin ich mit 3.50 Stunden durchs Ziel. Und natürlich werte ich meine glückliche Ehe als Erfolg.“

Analyse fürs Bewerbungsgespräch: Nennen Sie nie private Erfolge – der Fokus muss auf dem Geschäftlichen liegen. Punkten können Sie mit beruflichen Erfolgen, die auch in der neuen Firma erwünscht wären. Sorgen Sie für eine Dramaturgie in Ihrer Antwort, indem Sie die Schwierigkeit darstellen und Ihre Schritte zur Lösung aufzeigen. Am Ende benennen Sie das konkrete Ergebnis.

Gute Antwort im Vorstellungsgespräch: „Vor fünf Jahren sollte ich einen Kunden übernehmen, der als äußerst launisch und schwierig galt. Zuvor hatte er mehrere Kollegen fast in den Wahnsinn getrieben. Ich bin wie folgt an den Kontakt herangegangen (…) Auf diese Weise gelang es mir (…) Das Ergebnis für meine Firma war (…).“

Mein Video-Tipp: Vorstellungsgespräch: Die 7 gefährlichsten Fallen“ 

Schlechte Antwort im Vorstellungsgespräch: „Ich habe mich bei der Wahl meines ersten Arbeitgebers vergriffen. Diese Firma hat nicht gut zu mir gepasst und umgekehrt.“

Analyse fürs Bewerbungsgespräch: Es geht wieder um diplomatisches Fingerspitzengefühl und um Lernfähigkeit. Benennen Sie keine Fehler bei der Wahl eines Arbeitgebers – denn Sie sind gerade dabei, wieder einen zu wählen! Zeigen Sie besser einen Fehler auf, der weit in der Vergangenheit liegt – und schildern Sie eine Entwicklungsgeschichte, wie Sie ihn überwunden haben.

Gute Antwort im Vorstellungsgespräch: „Ich bin in jungen Jahren immer davon ausgegangen, dass ich öffentlich nicht reden kann. Deshalb habe ich mich vor Wortmeldungen in Gruppen und vor öffentlichen Auftritten gedrückt. Erst nach und nach fiel mir auf: Wenn ich etwas sagte, hingen die anderen oft an meinen Lippen. Da habe ich mir einen Ruck gegeben und öfter (…) Mittlerweile fällt es mir leicht, dass ich öffentlich (…)“

 Mein Video-Tipp: „Die 10 häufigsten Fragen im Vorstellungsgespräch“ 

Schlechte Antwort im Vorstellungsgespräch: „Viele sagen ihm nach, dass er zu schnell aus der Haut fährt. Er sollte ruhiger und ausgeglichener werden.“

Analyse fürs Bewerbungsgespräch: Die Frage will Ihre Loyalität testen, denn heimlich geht es um Ihre eigene Sicht. Sagen Sie Ihrem Chef also nichts Schlechtes nach. Betonen Sie, dass Sie nicht über Ihren Chef sprechen, sondern mit ihm. Und geben Sie ein Beispiel dafür, wie er Ihren Rat angenommen hat. Das unterstreicht Ihr Ansehen und Ihre Autorität.

Gute Antwort im Vorstellungsgespräch: „Für die Kollegen kann ich nicht sprechen. Ich für meinen Teil gebe ihm eine direkte Rückmeldung, wenn ich Verbesserungsvorschläge habe. Neulich hatte er zum Beispiel einen Liefertermin zusagen wollen, den ich für unrealistisch hielt. Ich habe ihm meine Sicht erläutert. Er war dankbar dafür und hat den Termin dann auch angepasst.“

Mein Video-Tipp: „Vorstellungsgespräch: Die 7 gefährlichsten Fallen“ 

Schlechte Antwort im Vorstellungsgespräch: „Machen Sie mir doch einen Vorschlag: Welches Budget haben Sie eingeplant?“

Analyse fürs Bewerbungsgespräch: Die Antwort verrät: Sind Sie gut vorbereitet? Haben Sie ein klares Ziel? Lassen Sie sich kein Angebot machen: Wer selbst die erste Zahl nennt, setzt den Anker (Maßstab). Nennen Sie eine möglichst ungerade Summe (ungerade Summen wirken durchdachter und erhöhen laut Studien die Chancen). Ihre Forderung sollte mindestens 15 Prozent über Ihrem alten Gehalt liegen – und einen nennenswerten Verhandlungsspielraum enthalten.

Gute Antwort im Vorstellungsgespräch: „Ich biete Ihnen sieben Jahre Erfahrung in der Branche, bringe etliche Kundenkontakte ein und kann Sie unterstützen bei folgenden wichtigen Aufgaben (…). Vor diesem Hintergrund halte ich ein Gehalt von 42.450 Euro für einen fairen Gegenwert.“

Mein Video-Tipp: „Perfekte Gehaltsverhandlung im Vorstellungsgespräch“

Schlechte Antwort im Vorstellungsgespräch: „Ja, etwa ein Dutzend.“

Analyse fürs Bewerbungsgespräch: Es geht darum, ob Sie händeringend nach jedem Job greifen („ein Dutzend Bewerbungen“) – oder gezielt in diese Firma streben. Gut ist es, wenn Sie auf „ein paar“ weitere Bewerbungen verweisen, das macht Sie interessant. Erklären Sie aber, warum genau diese Firma Ihre Nummer 1 ist. Das schmeichelt Ihren Gesprächspartnern und erhöht Ihre Chancen.

Gute Antwort im Vorstellungsgespräch: „Ja, ich habe ein paar weitere Bewerbungen laufen. Nur sind Sie mein eindeutiger Favorit. Ich finde, Sie haben anderen Unternehmen der Branche eines voraus, und zwar (…)“

Mein Video-Tipp: „Eigene Fragen: Die Top 10 fürs Vorstellungsgespräch“

Schlechte Antwort im Vorstellungsgespräch: „Ja, zwei Punkte: Zum einen interessiert mich, ob bei Ihnen Überstunden ausbezahlt werden. Zum anderen würde ich gerne klären, wie ich die Anreisespesen mit Ihnen abrechne.“

Analyse fürs Bewerbungsgespräch: Ihre Fragen lassen Rückschlüsse auf Ihr Interesse, Ihr Engagement und Ihre Vorbereitung zu. Wenn Sie sich nur nach Spesen und Überstunden erkundigen, wird Ihnen sofort eine Arbeitnehmer-Mentalität unterstellt. Bevorzugen Sie Fragen, die eine zupackende Haltung und einen hohen Selbstanspruch transportieren. Die Antworten darauf liefern Ihnen noch dazu wichtige Infos.

Gute Antwort im Vorstellungsgespräch: „Ja, drei Fragen würde ich gerne stellen:
– Woran würden Sie merken, dass ich meine Aufgabe so richtig gut mache?
– Welche Ergebnisse kann ich idealerweise schon in den ersten Wochen erzielen?
– Worin sehen Sie den wichtigsten Beitrag dieser Position zum Erfolg Ihrer Firma?“

Mein Video-Tipp: „Eigene Fragen: Die Top 10 fürs Vorstellungsgespräch“ 

Kostenloser Check:


Wie fit sind Sie für Ihr Vorstellungsgespräch? Nutzen Sie meinen Schnelltest:

Jetzt Herausfinden